Dieser Aktionskonsens ist ein verbindlicher Rahmen unserer Aktionen des zivilen Ungehorsams. Er wurde in einem kollektiven Prozess erarbeitet und im Konsens von allen Beteiligten beschlossen. Er ist uns deshalb sehr wichtig. Der Aktionskonsens ist Voraussetzung dafür, dass die „Sand im Getriebe“-Aktionen für alle Teilnehmenden transparent und gut einzuschätzen sind, denn er vermittelt, dass wir auch in einer Aktion mit sehr vielen Menschen aufeinander achten und uns unterstützen. Alle Menschen, die sich dieser Vereinbarung anschließen, laden wir herzlich ein, sich an unseren Aktionen zu beteiligen.

#BlockIAA ist eine offen angekündigte Aktion zivilen Ungehorsams: In dem Zeitraum vom 9. bis 13. September 2021 werden wir, gemeinsam mit vielen Menschen, die Internationale Automobilausstellung (IAA) in München blockieren und den reibungslosen Ablauf der IAA stören. 

Wir setzen damit ein ungehorsames Zeichen gegen eine zerstörerische Industrie, die sich einen scheinbar grünen Anstrich gibt, aber weltweit unser Klima verheizt. Unsere Aktion richtet sich auch gegen eine untätige Politik, die einen ökologischen und nachhaltigen Umbau unseres Verkehrssystems aktiv verhindert und so die Autoindustrie deckt und stützt. Wir kämpfen entschlossen für ein Verkehrssystem, das für Menschen und nicht für Autos gemacht ist.

Unsere Aktionen sehen sich in der Tradition des zivilen Ungehorsams. Angesichts der Dringlichkeit der Klimakrise und des Kollapses unseres Verkehrssystems halten wir es für notwendig und angemessen, einen Schritt weiter zu gehen: von öffentlichem Protest hin zu Zivilem Ungehorsam.

Unsere Aktionen bieten vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten. Bei unseren Aktionen hat für uns die Sicherheit der teilnehmenden Aktivist*innen und aller Beteiligten oberste Priorität – wir wollen niemanden gefährden oder verletzen. Unser Protest richtet sich nicht gegen einzelne Menschen, sondern gegen das politisch-industrielle System Auto. Wir werden mit unseren Körpern die Internationale Automobilausstellung stören. Es ist nicht das Ziel, Infrastruktur zu zerstören oder zu beschädigen. Wir werden uns nicht von baulichen Hindernissen aufhalten lassen, Absperrungen von Polizei oder Messesicherheit werden wir durch- oder umfließen. Wir werden uns dabei ruhig und besonnen verhalten. Von uns wird keine Eskalation ausgehen. Wir freuen uns über weitere kreative, selbstorganisierte Aktionen von Kleingruppen gegen die IAA und für eine soziale und ökologisch gerechte Mobilitätswende.

Um den aktuellen Entwicklungen um die COVID-19-Pandemie gerecht zu werden, hat sich Sand im Getriebe im Vorlauf zur Aktion 2021 auf verschiedenen Ebenen intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und weitreichende Hygienekonzepte entwickelt, um das Risiko von Ansteckungen gering zu halten. Teil des Aktionskonsens ist somit die Einhaltung des SiG-Hygienekonzeptes, welches den Umgang mit einer Corona-Infektion und die Rückverfolgung gewährleistet. Da wir auch hier solidarisch mit anderen Aktivisti sein wollen, kann eine vorsätzliche Nichtbeachtung zu Ausschluss aus der Aktion führen.

Wir kommen aus verschiedenen sozialen Bewegungen und politischen Spektren. Gemeinsam übernehmen wir die Verantwortung für das Gelingen der Aktion. Wir wollen eine Situation schaffen, die für alle Teilnehmenden transparent ist und in der wir aufeinander achten und uns gegenseitig unterstützen. Ob protesterfahren oder nicht, alle sollen teilnehmen können. Mit Aktionstrainings im Vorfeld sowie einer gezielten Aktionsplanung bereiten wir uns gemeinsam auf die Aktionen vor.

Über das Ende der Blockade wird in Absprache mit den Supportstrukturen und dem Deligiertenplenum entschieden. Wenn Kleingruppen die Blockade darüber hinaus aufrecht erhalten wollen, entscheiden einzelne Support-Strukturen, ob und wie sie diese weiterhin unterstützen können. 

Wir sind solidarisch mit allen, die Widerstand gegen die Klimazerstörung und die Autoindustrie leisten, insbesondere mit Menschen im Globalen Süden. Wir wollen in unseren Kämpfen feministisch, antifaschistisch, antirassistisch, antikapitalistisch und gegen jeden Antisemitismus sein. Wir sind uns alltäglicher und struktureller Diskriminierungen untereinander und durch unsere Umwelt bewusst und setzen uns aktiv dagegen ein. Wir bemühen uns darum, denen, die Diskriminierung erfahren, Raum anzubieten und das kollektive Bewusstsein und die Aufmerksamkeit dafür zu stärken. Jeglichen homophoben, ableistischen, patriarchalen, nationalistischen, rassistischen, verschwörungsideologischen oder anderen reaktionären Tendenzen und Vereinnahmungsversuchen treten wir entschieden entgegen.