Aktionskonsens

SAND IM GETRIEBE ist eine offen angekündigte Blockade: vom 13. bis 15. September werden wir die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main blockieren, besetzen und ihren reibungslosen Ablauf stören. Unsere Aktion richtet sich gegen eine Industrie, die immer größere CO2 Dreckschleudern für unsere Straßen produziert und keine Verantwortung für ihre kriminellen Machenschaften übernimmt. Wir protestieren damit aber auch gegen die untätige Politik, die einen ökologischen und nachhaltigen Umbau unseres Verkehrssystems aktiv verhindert und so die Autoindustrie deckt und stützt.

Unsere Aktionen sehen sich in der Tradition des friedlichen zivilen Ungehorsams. Wir glauben fest daran, dass wir einen Schritt weiter gehen müssen, um die notwendigen Veränderungen hin zu einer nachhaltigen Lebensweise endlich herbeizuführen. Deshalb wollen wir bewusst Regeln brechen, um auf die viel größeren Verbrechen und Missstände hinzuweisen. Der Druck von unten durch mutige Menschen schaut auf eine lange Tradition zahlreicher sozialer Bewegungen weltweit zurück. Unsere Aktionen überschreiten daher bewusst legale Formen des Protests; denn angesichts der Dringlichkeit der Klimakrise und des Kollapses unseres Verkehrssystems halten wir diese Gesetzesübertretungen für geboten und für legitim. Wir wollen damit den Druck auf die politisch Verantwortlichen erhöhen und in der Öffentlichkeit die Dringlichkeit der Verkehrs- und Klimakrise betonen- solange, bis sie uns nicht mehr ignorieren können.

Bei unseren Aktionen ist uns die Sicherheit aller Beteiligten die oberste Priorität – wir wollen niemanden gefährden oder verletzen. Unser Protest richtet sich nicht gegen einzelne Menschen, sondern gegen den politisch-industriellen Komplex Auto. Wir werden mit unseren Körpern friedlich die Internationale Automobilausstellung stören. Wir werden dabei keine materielle Infrastruktur zerstören oder beschädigen. Wir werden uns nicht von baulichen Hindernissen aufhalten lassen, Absperrungen von Polizei oder Messesicherheit werden wir durch- oder umfließen. Wir werden dabei ruhig und besonnen bleiben und in keiner Situation Eskalation betreiben oder uns provozieren lassen.

Wir kommen aus verschiedenen sozialen Bewegungen und politischen Spektren. Gemeinsam übernehmen wir die Verantwortung für das Gelingen der Aktion. Wir wollen eine Situation schaffen, die für alle Teilnehmenden transparent ist und in der wir aufeinander achten und uns gegenseitig unterstützen. Ob protesterfahren oder nicht, alle sollen teilnehmen können. Mit Aktionstrainings im Vorfeld sowie einer gezielten Aktionsplanung bereiten wir uns gemeinsam auf die Blockade vor. Unsere Aktion wird ein Bild der Vielfalt, Kreativität und Offenheit vermitteln – sowie die Vision einer ökologischen und gerechten Verkehrswende, die schon heute möglich wäre.

In den Aktionsgruppen achten wir aufeinander und sorgen aktiv für das Wohlergehen aller Gruppenmitglieder. Mit anderen Beteiligten und Betroffenen ist uns eine wertschätzende und respektvolle Kommunikation wichtig. Wir handeln mit Bedacht und Vorsicht, weshalb wir keine Aktionen unter Einfluss von Drogen oder Alkohol durchführen. Wir informieren uns laufend über die potentiellen zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen unserer Handlungen und unterstützen die Aktivist*innen, die durch die Aktion juristisch belangt werden.

Wir werden mit unseren Aktionen das öffentliche Leben stören und damit den Alltag von Unbeteiligten durcheinander bringen– dies ist nicht unsere vorrangige Intention, allerdings nehmen wir das angesichts der Untätigkeit der politisch Verantwortlichen und der kriminellen Machenschaften der Autoindustrie in Kauf. Wir glauben, dass es störende Formen des Protests braucht, da die regelkonformen schon viel zu lange ignoriert wurden.

Wir sind solidarisch mit allen, die Widerstand gegen die Klimazerstörung und die Autoindustrie leisten. Als privilegierte Menschen des Globalen Nordens sehen wir uns in der besonderen Pflicht, Widerstand gegen zerstörerische Industrien und Politiken zu leisten. Uns ist bewusst, dass diese Form des Protests nur wenigen Menschen zur Verfügung steht. Wir stellen uns entschieden gegen alle Versuche, unseren Protest für reaktionäre, faschistische, diskriminierende oder nationalistische Ziele zu missbrauchen.

Dieser Aktionskonsens ist ein verbindlicher Rahmen unserer Aktion zivilen Ungehorsams. Er wurde in einem kollektiven Prozess erarbeitet und im Konsens von allen Beteiligten beschlossen. Er ist uns deshalb sehr wichtig. Der Aktionskonsens ist Voraussetzung dafür, dass die SAND IM GETRIEBE Aktion für alle Teilnehmenden transparent und gut einzuschätzen ist, denn er vermittelt, dass wir auch in einer Aktion mit sehr vielen Menschen aufeinander achten und uns unterstützen. Als SAND IM GETRIEBE sagen wir, was wir tun und werden tun, was wir sagen. Alle Menschen, die sich dieser Vereinbarung anschließen, laden wir herzlich ein, sich an unserer Aktion zu beteiligen.